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Information zur Situation in Kirgistan
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Nachrevolutionäre Probleme |
Die Übergangsregierung bemüht sich sehr, die Situation im Land in den Griff zu bekommen. Leider gibt es immer noch und immer wieder
Störaktionen, besonders in den Südbezirken des Landes. Hier findet man noch viele Anhänger des gestürzten Präsidenten.
Mit Unterstützung des dort wohnenden Familienclans des Präsidenten gibt es immer wieder Aktionen und Demonstrationen. Verwaltungsbeamte
werden dafür bezahlt, die neue Regierung nicht zu unterstützen, trotz Haftbefehl konnte ein Bruder Bakievs fliehen, weil Anhänger
die Vollzugsbeamten nicht durchgelassen und sogar angegriffen haben. Allerdings sammeln sich auch langsam die Gegendemonstranten, sodass sich das
Kräfteverhältnis nach und nach verschiebt.
Um Bischkek herum kam es in den letzten Tagen zu massiven Landbesetzungen, was die Landeigentümer zu Gegenaktionen veranlasst hat.
In der Folge eskalierte die Situation, es gab Auseinandersetzungen in den Dörfern, mit Schlägereien, Brandstiftungen und Zerstörungen,
dabei verloren 5 Menschen ihr Leben, über 80 wurden verletzt. Zwischenzeitlich wurde sogar die Gastrasse Taschkent – Bischkek – Almaty
besetzt, aber diese Situation bekam die noch verfügbare Staatsmacht recht schnell in den Griff. Die Frage der Bereitstellung von Land für die
„Besetzer“ wird noch geklärt, zumindest sind aber die gewaltsamen Auseinandersetzungen vorerst beendet.
Ein anderes Störfeuer kommt vom Präsidenten selber. Die ihm in Weißrussland zur Verfügung gestellten Möglichkeiten von
Presse- und Fernsehauftritten nutzt er intensiv, um sich darzustellen und die neue Regierung zu attackieren. Nach seiner Flucht nach Kasachstan
und der handgeschriebenen Rücktrittserklärung lässt er nun aus Weißrussland verkünden, er sei der einzig rechtmäßige
Präsident und seine Rücktrittserklärung wäre unter Druck erfolgt. Er appellierte an Russland und andere Länder, die neue Regierung
nicht anzuerkennen und will UNO-Friedenstruppen ins Land holen. Der Übergangsregierung droht er mit strafrechtlichen Konsequenzen, weil sie die Schuld
am Tod der mehr als 80 erschossenen Demonstranten tragen würde.
Inzwischen hat sich die kirgisische Botschaft in Weißrussland klar zur Übergangsregierung positioniert und viele Länder haben ebenfalls
der Übergangsregierung ihre Unterstützung angeboten. Damit sollte der Einfluss des gestürzten Präsidenten immer geringer werden.
Ganz aktuell hat die Übergangsregierung den ersten Entwurf einer neuen Verfassung vorgelegt, die jetzt erstmals breit diskutiert wird. Am 27.6. wird das
Referendum dazu durchgeführt, am 10.10. sind dann die Wahlen geplant.
Alles in allem ist das Leben hier in Bischkek wieder fast normal, sodass wir den Teil der aktuellen Berichte jetzt beenden und wieder zu der Form des bekannten
Bischkekberichtes zurückkehren werden. Zum Schluss nochmal aktuelle Links:
Kirgisiens Regierung warnt Saboteure aus Bakijews Umfeld
Kirgisiens Ex-Innenminister in Moskau festgenommen
Kirgisische Botschaft in Minsk bekennt sich zur Interimsregierung
facebook - Free Kyrgyzstan
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20. April 2010
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Die Lage im Süden bleibt weiterhin unübersichtlich. Es kommt nach wie vor zu Zusammenstößen zwischen Anhängern Bakievs und der
Übergangsregierung. Janysh Bakijew, einer der jüngeren Brüder des ehemaligen Präsidenten, hält sich Berichten zufolge noch mit
zahlreichen Bewaffneten in der Nähe von Dschalal Abad auf.
Heute nacht ist es im Dorf Majevka am nördlichen Stadtrand Bischkeks zum Versuch illegaler Landnahme gekommen, bei denen es zwei Tote
und zahlreiche Verletzte gab. Zwischenzeitlich drohten die Unruhen auf Teile Bischkeks überzugreifen. Von Spezialkräften wurden
in der Nacht die Menschenansammlungen aufgelöst und einige Anführer festgenommen. Mit derartigen Vorkommnissen ist im ganzen Lande zu rechnen.
dazu bei RIA Novosti:
Zwei Tote bei Pogromen in Kirgistan... und weitere Artikel zur Lage in Kirgistan von RIA Novosti
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18. April 2010
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Der Präsident hat nach seinen gescheiterten Bemühungen, den Süden gegen den Norden des Landes zu mobilisieren,
Kirgistan verlassen und schriftlich abgedankt. Jetzt kursieren die unterschiedlichsten Spekulationen, wohin er sich abgesetzt hat.
Neben Kasachstan und der Türkei sind auch noch Weißrussland und Moskau im Gespräch. Die Türkei hat schon dementiert,
aus Kasachstan kommen widersprüchliche Meldungen und Moskau hält sich seit einiger Zeit als möglicher Aufenthaltsort recht
stabil in den Medien.
Im Land selber gehen der Wiederaufbau bzw. die Reparaturen nach den Zerstörungen der vergangenen Woche voran, viele Geschäfte
haben schon wieder geöffnet, die Cafes und Gaststätten füllen sich langsam. Glücklicherweise sind die Preise nur wenig gestiegen, selbst
für Diesel und Benzin waren es nur ein Som pro Liter. Damit können die Menschen vor Ort noch ganz gut leben. Die Übergangsregierung hat die
extrem erhöhten Preise für Energie und kommunale Dienstleistungen per Dekret zurückgenommen, damit ist das hohe Frustpotential in der
Bevölkerung gemindert worden. Wir sind gespannt, was auf unserer nächsten Stromrechnung stehen wird, der Kontrolleur hat letzte Woche abgelesen.
Die vom Sohn der ehemaligen Präsidenten geleitete Zentralagentur wurde ebenfalls aufgelöst und die Kompetenzen zurück an die
Ministerien delegiert. Ein Teil der neuen (Übergangs-) Minister wurde schon ernannt, die Strukturen dieser Ministerien neu aufgeteilt. Das
Arbeitsministerium war in diesen Prozess bislang nicht einbezogen, sodass hier noch völlig offen ist, wie und mit wem es weitergeht.
In spätestens 6 Monaten soll es Wahlen geben, dann wird auch das Parlament wieder existieren und die Rahmenbedingungen entsprechend der
Verfassung für das Land hergestellt sein. Jetzt geht noch vieles durcheinander, die selbsternannte Übergangsregierung bemüht sich
zwar, aber es ist zuviel in Aufruhr geraten, als dass es jetzt schon in den Griff zu bekommen wäre. Die Sicherheitslage stabilisiert sich nur
langsam, zwar sind die ersten Polizisten auf den Straßen zu sehen, aber nachts gibt es immer wieder Schüsse, heute Nacht sogar eine heftige
Explosion in unserer Nähe. Danach hat es intensiv nach verbranntem Gummi gerochen. Wir konnten bisher nicht feststellen, was die Ursache war.
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16. April 2010
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Bakiew ist heute Nacht per Flugzeug aus dem Land. Er hat seinen Rücktritt eingereicht.
Neue aktuelle Links:
Akipress
Bakijew tritt zurück
Lage in Kirgistan stabilisiert sich
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15. April 2010
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Bakiew hatte angekündigt heute mit den Einwohnern von Osch zu sprechen. Dazu kam es jedoch nicht, weil seine Gegner das verhinderten. Es kam zu Rangeleien, sodass Bakiev es vorzog, den Ort des Geschehens zu verlassen. Somit scheint die einzige Basis für ihn sein Heimatdorf in Dschalal Abad zu bleiben.
Neue aktuelle Links:
Kundgebung in Osch gescheitert
Kartenspiel mit Kirgistan
Russland hilft Kirgisien sofort mit Geld und Saatgut
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14. April 2010
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Neue aktuelle Links:
Bakijew stellt Bedingungen für Rücktritt
Kremlchef fürchtet Bürgerkrieg in Kirgistan
Kyrgyz interim government says talks with Bakiev possible
Russian President wants to help...
interessante Fotogalerie - Kommentar zum letzten Bild in dieser
Galerie (ein Vergleich 2005 und 2010): "alles ist wie damals.. ausser dass die Oppositionellen dicker geworden sind" Überall auf den
Geschäften steht "Bis El Menen" - das heisst "wir sind mit dem Volk" und soll vor den Plünderen schützen.
Heute sollte in Dschalal Abad das Aufeinandertreffen zwischen Präsident und Übergangsregierung erfolgen. Beide Seiten hatten ihre Anhänger mobilisiert und die Situation erschien so explosiv, dass uns vom Ministerium geraten wurde, nach Hause zu gehen. Wir haben dann Kollegen in Dschalal Abad angerufen, die uns berichteten, dass es bis Mittag völlig ruhig war und die für 12 Uhr geplante Veranstaltung verschoben worden ist. Auch gegen 14 Uhr war noch nichts passiert, allerdings gibt es seitdem keine Nachrichten mehr aus der Region. Die lokale Presse berichtete am Abend nur, dass der Präsident anerkannt hätte, seit dem 7. April kein moralisches Recht mehr auf den Präsidentenposten zu haben. Es bleibt abzuwarten, wie es jetzt weitergeht, allerdings scheint die Übergangsregierung entschlossen zu sein, sehr schnell eine Lösung herbeizuführen. |
13. April 2010
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Neue aktuelle Links:
Machtkampf in Kirgistan
Übergangsregierung will Bakijew festnehmen lassen
Presse-Infos russisch
Revolution in Kirgistan (russ.)
Heute hatte ich Gelegenheit, an zwei Pressekonferenzen teilzunehmen. Die erste wurde vom Finanzminister der zeitweiligen Regierung durchgeführt.
Hier ging es vorrangig um Fragen der Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation. Mehrere Vertreter von Arbeitgeberorganisationen und von den
Handelscentren schilderten ihre Situation, die insbesondere nach den Zerstörungen und Plünderungen für viele Unternehmer existenziell geworden
ist. Neben Kompensationsmöglichkeiten ging es vor allem um die Probleme des Aufschubs von Steuer- und Kreditzahlungen.
Vertreter der Banken waren ebenfalls anwesend und teilten mit, dass sie gemeinsam Transfers ins Ausland kontrollieren und reglementieren,
damit keine Gelder außer Landes geschafft werden können. 7 der wichtigsten Banken würden nach diesem System arbeiten.
Durch einen Erlass der neuen Regierung wurden mit sofortiger Wirkung alle Immobilien- und Grundstücksgeschäfte bis Juni ausgesetzt.
Damit soll verhindert werden, dass der durch Erpressung überschriebene Besitz legalisiert wird. Hier muss es in den letzten Tagen zu
massiven Repressionen gekommen sein. Leute haben einfach Häuser oder Wohnungen, die ihnen gefallen haben, mit Waffengewalt von den
Besitzern übernommen und sich dafür Kaufverträge ausstellen lassen. Auch Grundstücke wurden und werden so okkupiert.
Die zweite Pressekonferenz fand im Parlamentsgebäude statt. Hier war es etwas schwieriger, hinein zu kommen. Als die Traube der
völlig überforderten Aufpasser am Eingang passiert war, standen wir völlig alleingelassen in den ehemals „heiligen
Hallen“ des kirgisischen Parlamentes. Keiner der wenigen Leute, die wir trafen, wusste, wo die Konferenz stattfinden sollte. So
hatten wir Gelegenheit, das Haus und die überall sichtbaren Spuren der Besetzer anzuschauen, bis wir endlich einen bewaffneten Posten
entdeckten, der uns dann den Weg zum Konferenzsaal zeigen konnte.
Hier ging es dann vorrangig um juristische Probleme. Welche Rechtsgrundlage haben die Erlasse der provisorischen Regierung, auf welcher Rechtsgrundlage
werden Personen eingestellt und entlassen, wie soll gegen die undurchsichtigen Personalentscheidungen in den Regionen vorgegangen werden, auf welcher
Grundlage sollen Wahlen und Referenden erfolgen?
Kritisiert wurden die unzureichende Informationspolitik und die unterschiedlichen Informationen der Regierungsmitglieder zu den gleichen Themen.
Grundtenor der Gespräche war, dass mit jedem Tag das Vertrauen in die provisorische Regierung schwindet, wenn nicht bald etwas geschieht, womit
sich die Leute, die den Umsturz herbeigeführt haben, identifizieren können.
Der Regierungsvertreter entgegnete, dass man an allen Problemen arbeite, aber innerhalb der wenigen Tage nicht alles schaffen könne. Es
würden Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen in die Arbeiten einbezogen, viele Juristen würden den Prozess unterstützen.
Die Massenmedien werden regelmäßig informiert.
Soweit von den beiden Konferenzen. Am Abend kam es wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen am Oschmarkt, ein großes Handelshaus ging in
Flammen auf. Man kann sich nicht auf den trügerischen Schein der Normalität tagsüber verlassen, noch immer ist es gefährlich,
weil die Staatsmacht so labil und Sicherheitskräfte nur marginal verfügbar sind.
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12. April 2010
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Neue aktuelle Links:
Bakijew lehnt Rücktritt ab - Gespräch in einem Zelt in seiner Heimatregion Dschalalabad
Videobericht
akipress - news
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11. April 2010
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Heute kein Bericht aber interessante aktuelle Links:
Süden gegen Norden?
USA erkennen neue Führung an
Interimsregierung in Kirgistan droht Bakijew mit Gewalt
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10. April 2010
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Heute Nacht war es bei uns völlig ruhig, haben keinerlei Schüsse mehr gehört. Vormittags sind wir in die Stadt gefahren.
Die kleinen Händler und Kioske haben jetzt eine gute Zeit, weil sie im Gegensatz zu den noch zugenagelten oder geplünderten Ladenketten oder
Supermärkten schon wieder geöffnet haben. Wir haben uns mit Obst, Gemüse und Fleisch eingedeckt, auf die Vielfalt des Angebotes der
Großmärkte werden wir aber sicher noch eine Weile verzichten müssen. Aber nach den Ereignissen der letzten Tage ist man wirklich froh,
ausgbrannte Steuerbehörde
dass die Normalität zurückkehrt, da sind das zu vernachlässigende Probleme. Wir haben auch die erste Bank gefunden, die ihren Geldautomaten
in Betrieb genommen und so sind wir jetzt wieder „flüssig“.
Auf der Tour durch die Stadt sind wir natürlich an einigen Stellen vorbei gekommen, an denen die Spuren der Zerstörung unübersehbar waren.
Die ausgebrannte Steuerbehörde qualmt immer noch, am Da Vinci Cafe sind die Aufräumarbeiten im Gange. Alle Narodnys, an denen wir vorbeigekommen
sind, waren geschlossen und manche sehen so kaputt aus, dass sie wahrscheinlich nicht mehr aufgebaut werden können. Auf dem Ala Too Platz war wieder
eine Kundgebung,
ehemals Cafe Da Vinci
so dass wir von dort noch keine eigenen Eindrücke wiedergeben können. Das Ministerium sah von außen auch völlig normal
aus, so dass ich hoffe, bald wieder im Büro arbeiten gehen zu können.
Der Präsident will nicht aufgeben und droht mit Terror durch seine Anhänger. Gestern hat man im Stadtgebiet drei Bomben gefunden, eine direkt vor
dem Metro-Pub, einem bei Ausländern beliebten Restaurant. Dann sollen Autos mit getönten Scheiben ohne Nummernschilder unterwegs sein, aus denen geschossen wird.
Es ist also noch keine wirkliche Ruhe in der Stadt und das öffentliche Leben ist durchaus beeinträchtigt. Aber so kurze Zeit nach dem Umsturz ist
es erstaunlich, wie schnell sich die Stimmung beruhigt hat.
Vefa Center verbarrikadiert
Mittlerweile ist es doch schon spät geworden und es sind wieder vereinzelt Schüsse aus Richtung Vefa-Center zu hören. Offensichtlich gibt
es immer noch Plünderungsversuche und die Sicherheitskräfte wollen das verhindern. Wir hoffen, dass die Nacht wieder ruhig bleibt und die
Ausgangssperre bald aufgehoben werden kann.
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09. April 2010
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Heute Nacht war es noch ruhiger als in der vorherigen, obwohl auch diesmal wieder Schüsse zu hören waren.
Diese galten aber mehr den Plünderern, als dass es Kämpfe verfeindeter Lager gewesen wären. Die Übergangsregierung hat
für heute auf dem zentralen Ala Too Platz die Trauerfeiern für die Getöteten der Kämpfe dieser Woche angesetzt. Nach
offiziellen Angaben haben etwa 70 vorwiegend junge Menschen diesen Aufstand gegen das Regime des Präsidenten nicht überlebt.
Bis zum Wochenende sollen die Demonstranten nach Hause zurückkehren und damit der Übergangsregierung die Möglichkeit geben,
in den kommenden Monaten eine positive Wende im Land zu schaffen. Wie es momentan aussieht, wollen die Menschen der neuen Regierung diese
Chance auch geben. Damit sollte ab nächster Woche wieder ein relativ normales Leben möglich sein. Wir waren heute in der Stadt
unterwegs. Die ersten Geschäfte sind geöffnet und auch der öffentliche Nahverkehr rollt wieder. Wegen der geschlossenen bzw.
geplünderten Supermarktketten gibt es überall in den kleinen Geschäften lange Schlangen und viele Sachen sind schon ausverkauft.
Aber es waren schon wieder viele Leute so unterwegs, als wäre nichts geschehen.
Wie sich die Situation entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Präsident in sein Amt
zurückkehren wird, aber noch denkt er nicht ans Aufgeben, sondern droht aus seinem unbekannten Versteck mit Vergeltungsmaßnahmen.
Der Innenminister ist entgegen vorheriger Meldungen nicht tot, sondern konnte gestern vom Talaser Krankenhaus in ein anderes verlegt werden.
Die dabei entstandenen Bilder zeigen recht deutlich, dass er nur knapp mit dem Leben davongekommen ist, er sah fürchterlich demoliert aus.
Weitere zerstörte und geplünderte "Narodny"-Supermärkte in der Gorkovo und Toktogula (Bilder schusieb)

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08. April 2010
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Nach der kurzen Nacht ist es momentan recht ruhig. Keine Rauchwolken mehr am Himmel, keine Schüsse zu hören. Wir sind
auch weit genug vom Stadtzentrum entfernt und fühlen uns noch sicher. Allerdings werden wir weiter zu Hause bleiben, bis sich
die Lage wieder normalisiert hat. Unsere Arbeitsstellen liegen zu dicht im Zentrum, so dass wir kein Risiko eingehen wollen. Mit den
Kollegen in Bischkek und von außerhalb stehen wir ständig in Kontakt und es zeigt sich, dass doch allerhand passiert ist
in den letzten Stunden.
Der Aufenthaltsort des Präsidenten wird überwiegend mit Osch oder Dschalal Abad angegeben, dort hat er die meisten Anhänger.
Während es in Osch ruhig ist und der bisherige Gouverneur freiwillig seinen Platz geräumt hat, stehen sich in Dschalal Abad zwei
etwa gleichstarke Lager pro und contra Präsident Bakiew gegenüber und halten ein Meeting in der Stadt ab. Noch ist es friedlich,
hoffen wir mal, dass es dabei bleibt.
In Talas soll das dortige „weiße Haus“ zerstört sein, ob komplett oder nur innen war noch nicht zu erfahren.
In Karakol am Issyk Kul dagegen war es relativ ruhig, dort ging der Alltag fast normal weiter.
In Bischkek gab es in der Nacht mehrere Brände und viele Einbrüche und Plünderungen. Die Fotos geben neben den Links
einen Eindruck aus der Stadt wieder.
Es hat sich eine Übergangsregierung unter der ehemaligen Außenministerin Rosa Otunbajewa gebildet, die jetzt die Situation
in den Griff bekommen und in einem halben Jahr Neuwahlen abhalten möchte. Sie verlangen vom Präsidenten, dass er seine Niederlage
eingesteht und zurücktritt. Der lässt allerdings verkünden, dass er noch im Amt sei und alle, die sich jetzt an dem Putsch
beteiligt hätten, die Härte der Gesetze treffen würde. Die Gefahr, dass er seine Anhänger überall im Land mobilisiert
und es damit zu Unruhen und Kämpfen über einen langen Zeitraum kommen könnte, besteht. Das kann die labile Situation im Land
jederzeit wieder zum Kippen bringen. Ebenfalls undurchsichtig ist das Verhalten der beiden Großmächte im Land. Während Putin
die neue Übergangsregierung bereits akzeptiert hat, gab es seitens der Amerikaner noch kein Statement.
Mittlerweile ist es Abend und die ersten Schüsse sind wieder zu hören. Aber es ist wesentlich ruhiger als gestern, hoffen wir,
dass es so bleibt.
Infos zur aktuellen Lage gibt es unter folgenden Links:
http://www.boston.com/bigpicture/2010/04/crisis_in_kyrgyzstan.html
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5442547,00.html
http://www.runewsweek.ru/photo/photo.php?id=33616
http://www.youtube.com/watch?v=0L1srqYLnu8
http://kg.akipress.org/news:189761
Bar Da Vinci ausgebrannt Bilder: A. Richter

Das Weiße Haus

zerstörtes Kasino

Supermarkt - geplündert und zerstört (einer von vielen der Kette Narodny)

8. April

teilweilse ausgebranntes Ministerium am Ala Too Platz

Brennendes Finanzamt

Ausgebranntes Finanzamt

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07. April 2010 |
Seit heute überschlagen sich die unterschiedlichsten Meldungen. Es gab und gibt Unruhen in Talas, Naryn und Tschui mit Erstürmung bzw.
Übernahme der Regierungsgebäude. Jetzt scheint die Situation auf Bischkek überzuschwappen, weniger als 2 km von meinem Dienstort sollen
Polizeifahrzeuge brennen und Straßenschlachten in Gange sein. Noch ist nicht klar, was das für uns heißt, um das weiße Haus,
das in Sichtweite von meinem Arbeitsplatz liegt, ist noch alles normal.
Die Mittagszeit war gerade angebrochen, als wir uns entschieden haben, nach Hause zu gehen. Doch das war leider etwas zu spät. Wir sind kaum
aus dem Gebäude getreten, als wie aus dem Nichts tausende von Leuten die Hauptstraße entlang kamen, teilweise mit Gummiknüppel und
Schutzschildern bewaffnet, die sie in den vorherigen Kämpfen der Polizei abgenommen hatten. Auch einige schwere Fahrzeuge wie Kräne und
LKWs wurden mitgeführt. Es war sofort eine eigenartige Atmosphäre, diese Menschenmassen mit Ziel „Weißes Haus“ zu sehen,
mitten drin zu stehen. Man hat förmlich gespürt, dass ein kleiner Anlass genügen würde, um die Stimmung in Aggressivität
umschlagen zu lassen. Als die ersten Schüsse fielen, stürmten die Leute nicht weg sondern in Richtung Regierungsgebäude, so dass eine
Lücke im Zug entstand, durch die ich mit dem Auto wegfahren konnte. Trotzdem habe ich über eine Stunde nach Hause gebraucht, alle Straßen
waren völlig verstopft.
Von zu Hause aus haben wir die Schießereien gehört und später dann die Rauchwolken im Regierungsviertel aufsteigen sehen.
So gut es ging, haben wir dann die Medien verfolgt, einen Internetzugang konnten wir auch noch nutzen, so dass wir von außen mit Meldungen
versorgt werden konnten. Viele Webseiten waren von hier aus geblockt, Handynetze eingeschränkt bis nicht nutzbar.
Soweit wir mitbekommen haben, gingen die Straßenkämpfe bis nach Mitternacht, etliche Regierungsgebäude wurden gestürmt,
geplündert oder fielen den Flammen zum Opfer. Der Präsident war geflohen, wohin, dazu gab es unterschiedlich Meldungen. In der Nacht
besetzte die Opposition das staatliche Fernsehen und rief sich als Sieger des Umsturzes aus. Der Premierminister reichte seinen Rücktritt
ein, das Parlament wurde aufgelöst.
In der Nacht gab es dann noch Plünderungen von Supermärkten und staatlichen Einrichtungen.
Infos zur aktuellen Lage gibt es unter folgenden Links:
http://morrire.livejournal.com/616096.html
http://www.youtube.com/watch?v=vG0iLpJ4OJQ
http://www.youtube.com/watch?v=3OAanE37HMU
http://www.youtube.com/watch?v=LA4OWjx5pZA
dann z.B. noch www.ferghana.ru oder www.tagesschau.de
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06. April 2010 |
Nachdem in den letzten Wochen zunehmend von „Unmutsbekundungen“ in verschiedenen Regionen wegen der Preiserhöhungen
für Energie und kommunale Dienstleistungen zu lesen war, konnte man nun die Situation selbst in den regimetreuen Medien nicht mehr verniedlichen. Die
Unzufriedenheit mit der Situation im Land schwelt in der Bevölkerung schon seit Beginn des Jahres. Diese drastisch gestiegenen Kosten waren für
viele Einwohner nicht zu tragen, mit der Konsequenz, dass mitten im Winter Gas oder Strom abgeschaltet wurden. Auch führten die Preiserhöhungen
nicht zu einer Stabilisierung der Energieversorgung, nächtliche und auch länger andauernde Stromabschaltungen in vielen Stadtteilen Bischkeks und
in den ländlichen Regionen oder tagelanger Ausfall der Gasversorgung in den Südbezirken des Landes waren schon "normal". In den relativ
abgelegenen Regionen Naryn und Talas kam es zuerst zu Demonstrationen der Bevölkerung, weil hier zusätzlich noch die hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit
hinzukommt.
So wurde im März von 450 Personen in Naryn berichtet, die sich mit ihren Problemen (erstaunlicherweise zeitgleich) an die Stadtverwaltung zur
Klärung von Fragen zu den Preiserhöhungen gewandt hätten, was aber keine Demonstration gewesen wäre.
Seit Ende März verdichteten sich die Meldungen aus Talas, dass dort Demonstrationen stattfänden. Das wurde durch die Informationen von Autofahrern
untermauert, die von der Kontrolle und teilweise Sperrung des Passes berichteten, der die einzige inländische Verbindung vom Süden des Landes nach
Bischkek ist.
Seit dem 5. April wurden aus den kleinen richtig große Demos, die am 6.4. in der Besetzung des dortigen „weißen Hauses“ gipfelten.
Der sich in Talas aufhaltende Innenminister des Landes wurde von den aufgebrachten Demonstranten angegriffen und soll nach noch unbestätigten Meldungen
an den Verletzungen verstorben sein.
Wir melden uns wieder, allerdings sind die Möglichkeiten von Internet und Telefon stark eingeschränkt.
Wenn es geht, sind wir über skype erreichbar.
Jens und Petra
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